Eberhard Siegl

Supervision und Coaching

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Artikel über Supervision für Neue Selbständige

Ich habe mich in meiner Masterthesis mit der Frage der Supervision für Neue Selbständige beschäftigt. Dann wurde ich erfreulicher Weise dazu eingeladen, darüber auch einen Fachartikel in der Zeitschrift Supervision zu schreiben. Insbesondere möchte ich auf meine Thesen für die Supervision mit Neuen Selbständigen hinweisen, die ich im Rahmen meiner Arbeit entwickelte. Ich habe diese Hypothesen hier einmal in verkürzter Form aufgelistet und beschrieben, eine genauere Fassung finden Sie in pdf-Version, die ich hier als Download zur Verfügung stelle.

Artikel über Neue Selbständige in „Supervision“

Hypothese 1: Beratung über Beratung notwendig

Selbständige haben in der Regel noch keine spezifischen Vorstellungen von Supervision. In der Phase der „Installation eines Beratungssystems“ muss bei der Arbeit mit beratungsfernen Klient/innen die Erklärung von Supervision durch den/die SupervisorIn erfolgen. Dazu ist es notwendig, dass der/die SupervisorIn schon vorab ein möglichst klares und für Lai/innen verständliches Beratungskonzept erarbeitet hat.

Hypothese 2: Coaching oder Einzelsupervision – Die Bezeichnung der Beratung

Ebenso hängt es vom Supervisanden und von der Supervisandin ab, wie Supervision und Coaching beschrieben und vor allem welche Bezeichnung für den Beratungsprozess gewählt wird. Es gilt zwischen zwei Positionen ein Ergebnis auszuhandeln: Die eine Position ist meine eigene Sichtweise von Supervision, wie ich sie als Berater verstehe und wie ich sie Anderen erkläre. Die andere Position ist die der Supervisandin/des Supervisanden, der oder die möglicherweise zuvor noch nicht mit dieser Beratungsform in Kontakt gekommen war.

Hypothese 3: Identifikationsfallen beim Coaching mit Neuen Selbständigen: Auch der Supervisor/die Supervisorin ist Neuer Selbständiger/Neue Selbständige.

Supervisor/innen sind häufig als Neue Selbständige tätig und haben zusätzlich andere berufliche Standbeine. Diese Parallele zwischen den beruflichen Erfahrungswelten kann zu Identifikationen führen, die den supervisorischen Blick auf die Lage und die damit verbundenen Themen einschränken.

Hypothese 4: Das Aushandeln der Konditionen eines Auftrags definiert die Rolle mit. Die  Karriereplanung dient dabei als haltgebender Rahmen

Übernimmt eine Neue Selbständige/ein Neuer Selbständiger einen neuen Auftrag, legt sie/er durch das Aushandeln von Auftrag und Bezahlung bereits die eigene Rolle für die zukünftige Arbeitsbeziehung fest. Es gilt in diesem Zusammenhang zwei Eckpunkte bzw. Grenzen zu beachten, innerhalb derer die Aushandlung der Rolle stattfindet. Diese betreffen die persönliche Karriereplanung sowie die Anforderungen und Regeln der eigenen Profession.

Hypothese 5: Der Themenkreis „Abgrenzung – Arbeit – Verpflichtung“ und die Burn-Out-Gefahr bei Neuen Selbständigen muss beleuchtet werden.

Neue Selbstständige verpflichten sich in der Regel dazu, eine fertige, im Vorhinein festgelegte Leistung zu erbringen, wie z.B. eine Komposition, ein neues Logo, eine Grafiksequenz in einem Werbefilm, ein Pressefoto, einen Workshop oder einen Artikel. Dadurch ist die Abgrenzung zwischen Beruf und Privatleben für Neue Selbständige oft schwierig. Wichtig erscheint mir hier, an der Erarbeitung und Aneignung einer Strategie für die Abgrenzung gegenüber den Begehrlichkeiten der Arbeitgeber/innen, kontinuierlich `dran zu bleiben´.

 Hypothese 6: Der Neue Selbständige/die Neue Selbständige kann als mögliche Konkurrenz für den/die  ArbeitgeberIn auftreten.

Neue Selbständige stellen häufig eine Konkurrenz für die/den ArbeitgeberIn selbst dar, da sie in der Regel für Mitbewerber/innen auch tätig sind, bzw. es potenziell jederzeit sein können. Diese wenig vertrauensfördernde Situation stellt eine latente Bedrohung für den/die ArbeitgeberIn in Form von Illoyalität dar, die als Begleiterscheinung auf der Ebene der Arbeitsbeziehung permanent vorhanden ist und von beiden Seiten bewältigt werden muss.

Hypothese 7: Neue Selbständige durchlaufen bei der Aushandlung der Konditionen für einen Auftrag stets eine Phase des Verhandels ihrer eigenen Wertigkeit.

Die Wertigkeit der eigenen Arbeit ist ein weiteres Grundthema für Neue Selbstständige, die über Honorarverhandlungen und in einer rechtlich ungesicherten Position, den Wert der eigenen Arbeitsleistung aushandeln müssen; in der Regel gibt es keine Tarifverträge für die Leistung Neuer Selbständiger. Hinzu kommt die fehlende gewerkschaftliche Vertretung.

Hypothese 8: Erweiterung der Rollenberatung für Neue Selbständige

Neue Selbstständige sind üblicherweise bei mehreren Arbeitgeber/innen tätig und somit in mehrere Teams eingebunden. Hier besteht die Gefahr einer Rollenkonfusion, die sich aus den unterschiedlichen Erwartungsanforderungen in wechselnden Arbeitskontexten ergibt. Dies halte ich für einen von insgesamt drei wesentlichen Faktoren für eine profunde Rollenanalyse Neuer Selbstständiger.

 Hypothese 9: Grundthema Fokussierung bei Neuen Selbständigen

Als weiteres Spezifikum, ja Phänomen Neuer Selbstständiger, kann ein deutlicher Widerstand dagegen ausgemacht werden, sich auf eine einzige Einkommensquelle, einen einzigen Beruf zu konzentrieren.

Hypothese 10: Schnelles, sicher erscheinendes Handeln hinterfragen

Der Wechsel in die Neue Selbständigkeit kann durchaus auch unfreiwillig geschehen, etwa dann, wenn der/die Betreffende ihren Arbeitsplatz verliert und aufgrund mangelnder Jobangebote in die Neue Selbständigkeit wechseln muss. Häufig wird dieser Wechsel vom Coachee als eine sicher getroffene und schnell umgesetzte Entscheidung dargestellt.

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